Kurz & Bündig: Retargeting-Strategien ermöglichen es, die 95–97 % der Website-Besucher gezielt wieder anzusprechen, die ohne Kauf oder Anfrage abgesprungen sind. Über Meta Pixel und Google Tag werden diese Nutzer auf Facebook, Instagram oder im Google Display Network identifiziert und mit gezielten Anzeigen reaktiviert.
Welche Retargeting-Strategien funktionieren für österreichische Unternehmen wirklich? Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Varianten – von Standard-Retargeting bis zu dynamischen Kampagnen.
Schnelle Antwort: Retargeting platziert einen Cookie im Browser von Website-Besuchern. Verlassen diese Ihre Seite, sehen sie Ihre Anzeigen auf anderen Plattformen wie Facebook, Instagram oder Google. Segmentiertes Retargeting – unterschiedliche Anzeigen für unterschiedliche Besuchergruppen – liefert deutlich bessere Ergebnisse als ein einheitlicher Ansatz für alle.
Sie haben Geld ausgegeben, um jemanden auf Ihre Website zu bringen. Dieser Besucher hat sich umgeschaut, war vielleicht sogar kurz davor, eine Anfrage zu stellen oder etwas zu kaufen – und ist dann verschwunden. Zurück zu Google, zu einem Mitbewerber, oder einfach abgelenkt von einem Anruf.
Das passiert nicht gelegentlich. Es passiert bei 95–97 % aller Website-Besucher.
Retargeting ist die Technik, diese Menschen gezielt wieder anzusprechen – auf Facebook, Instagram, im Google Display Network oder auf anderen Websites, die sie besuchen.
Wie Retargeting technisch funktioniert
Wenn jemand Ihre Website besucht, setzt ein kleines Skript (Pixel oder Tag) ein Cookie in seinem Browser. Dieses Cookie markiert den Nutzer als „hat Ihre Website besucht". Wenn dieser Nutzer dann Facebook öffnet, durch Google-Seiten surft oder andere Websites besucht, kann Ihr Werbesystem ihn erkennen und gezielt Ihre Anzeige ausspielen.
Was Sie dafür brauchen:
- Meta Pixel auf Ihrer Website (für Facebook und Instagram Retargeting)
- Google Tag (für Google Ads Retargeting)
- Genug Traffic: Retargeting funktioniert erst ab einer Mindestanzahl von Besuchern (Meta: ab ~100 Besuchern in 30 Tagen, Google: ab ~100 in 7 Tagen)
Die wichtigsten Retargeting-Strategien
1. Standard-Website-Retargeting
Die einfachste Form: Alle Besucher Ihrer Website in den letzten 30 Tagen sehen Ihre Anzeige. Gut als Einstieg, aber nicht sehr präzise – jemand, der auf die Datenschutzseite gestoßen ist, ist kein gleichwertiger Interessent wie jemand, der Ihre Leistungsseite zweimal aufgerufen hat.
2. Segmentiertes Retargeting
Die effektivere Variante: Unterschiedliche Anzeigen für unterschiedliche Besucher-Segmente.
- Besucher spezifischer Seiten: Wer Ihre Preisseite besucht hat, ist weiter im Entscheidungsprozess als jemand, der nur die Startseite gesehen hat. Erstere bekommen ein konkretes Angebot oder Testimonials. Letztere bekommen eine Awareness-Anzeige.
- Warenkorbabbrecher (für E-Commerce): Besucher, die Produkte in den Warenkorb gelegt, aber nicht gekauft haben. Die wertvollste Retargeting-Zielgruppe überhaupt.
- Inaktive Kunden (via E-Mail-Liste): Laden Sie Ihre Kundenliste als Custom Audience in Meta hoch und sprechen Sie inaktive Kunden über Ads an.
3. Dynamisches Retargeting (für E-Commerce)
Automatisierte Anzeigen, die genau jenes Produkt zeigen, das ein Besucher angeschaut hat. Amazon und Zalando nutzen das intensiv – es ist aber auch für kleinere Shops zugänglich. Meta und Google bieten Produktkatalog-Integrationen, die das ohne manuelle Arbeit ermöglichen.
4. Video-Retargeting
Menschen, die mindestens 50 % eines Ihrer Videos auf Facebook oder Instagram gesehen haben, zeigen erhebliches Interesse. Retargeting auf Basis von Video-Views ist eine der günstigsten und effektivsten Formen, weil die Zielgruppe bereits vorqualifiziert ist.
Frequency Caps: Den Stalking-Effekt vermeiden
Zu viele Wiederholungen einer Anzeige wirken aufdringlich. Das beschädigt Ihre Marke. Eine gute Faustregel: maximal 3–5 Impressionen pro Person und Woche. In den Meta-Kampagneneinstellungen können Sie Frequency Caps setzen.
Testen Sie außerdem, nach wie vielen Tagen Sie Personen aus dem Retargeting-Pool ausschließen. Jemand, der vor 60 Tagen Ihre Website besucht hat, ist möglicherweise bereits Kunde oder hat eine andere Lösung gefunden. Retargeting-Fenster von 7–30 Tagen funktionieren für die meisten Branchen besser als längere Zeiträume.
Google Display Retargeting vs. Meta Retargeting
Google Display: Ihre Anzeigen erscheinen auf Millionen von Websites im Google Display Network. Hohe Reichweite, günstige CPMs. Gut für Awareness und für Zielgruppen, die nicht stark auf Social Media aktiv sind.
Meta Retargeting: Präziseres Targeting, bessere Kreativmöglichkeiten (Video, Carousel, Collection). Höhere Conversion-Raten für direkte Aktionen. Die bevorzugte Plattform für die meisten Retargeting-Kampagnen.
Empfehlung: Starten Sie mit Meta Retargeting, ergänzen Sie Google Display sobald das Budget es erlaubt.
Was eine gute Retargeting-Anzeige zeigt
Retargeting-Anzeigen müssen anders kommunizieren als Awareness-Anzeigen. Der Besucher kennt Sie bereits. Was er braucht, ist:
- Ein konkretes Angebot (nicht eine weitere generische Botschaft)
- Einen Grund, jetzt zu handeln (zeitlich begrenztes Angebot, Verfügbarkeit, Bonus)
- Social Proof, der letzte Zweifel beseitigt (Bewertungen, Referenzen)
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Retargeting und Prospecting? Prospecting richtet sich an neue, unbekannte Zielgruppen. Retargeting spricht Menschen an, die bereits mit Ihrer Marke in Kontakt waren – Website-Besucher, Video-Zuschauer oder Kunden. Retargeting ist in der Regel günstiger und konvertiert besser, weil das Interesse bereits vorhanden ist.
Ab wann lohnt sich Retargeting? Praktisch ab 300–500 Besuchern pro Monat auf Ihrer Website. Darunter sind die Retargeting-Audiences zu klein, um sinnvoll ausgespielt zu werden.
Wie lange soll mein Retargeting-Fenster sein? Für lokale Dienstleistungen reichen 14–30 Tage. Bei längeren Entscheidungszyklen (z.B. Immobilien, hochpreisige B2B-Angebote) sind 60–90 Tage sinnvoll.
Ist Retargeting ohne DSGVO-Consent legal? Nein. In Österreich und der EU ist ein aktiver Cookie-Consent für Marketing-Cookies Pflicht. Ohne Einwilligung dürfen Sie keine Retargeting-Pixel setzen.
Was kostet Retargeting bei Meta? Der CPM (Cost per 1.000 Impressionen) für Retargeting-Kampagnen liegt typischerweise bei 5–15 €. Da die Zielgruppe vorqualifiziert ist, ist der effektive Cost-per-Conversion deutlich niedriger als bei Prospecting-Kampagnen.
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